GBOL von der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet

un-dekade_logo_ausgezeichnetes-projekt-2016_280x280pxIm Sommer 2016 wurde das  “German Barcode of Life”  Projekt (GBOL) zum “Ausgezeichneten Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt” gewählt  – eine Auszeichnung der deutschen UN-Dekade für den besonderen Einsatz zur Erhaltung und Vermittlung von Biodiversität.

Um weltweit auf die Bedeutung von Biodiversität aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen die Jahre 2011 bis 2020 zur UN-Dekade für biologische Vielfalt erklärt. Die Aktivitäten zur UN-Dekade in Deutschland werden  gefördert vom Bundesumweltministerium (BMUB) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN). Die deutsche UN-Dekade zeichnet Projekte aus, die sich in besonderer Weise für den Erhalt und die Vermittlung der biologischen Vielfalt einsetzen – so auch das GBOL-Projekt.

Stellvertretend für alle GBOL-Partner nahmen Prof. Bernhard Misof, Dr. Matthias Geiger, Björn Rulik und Laura von der Mark im August die Auszeichnung im Museum König in Bonn von Dr. Christiane Paulus, Leiterin der Unterabteilung Naturschutz im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit entgegen.

http://www.undekade-biologischevielfalt.de/

Auf dem Weg nach Norden: Immer mehr Mittelmeerspinnen in Deutschland heimisch

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Die Mittelmeerarten Mildes Dornfingerspinne (Cheiracanthium mildei, links) und die auffällige Kräuseljagdspinne (Zoropsis spinimana, rechts) sind inzwischen auch in Münchner Kellern zu Hause (Fotos: Jörg Spelda, ZSM).

Die Forscher von der Zoologischen Staatssammlung München leisten erneut einen wertvollen Beitrag zur weltweiten Gen-Bibliothek des Lebens. Sie entschlüsselten nun den genetischen Code der auffälligen Kräuseljagdspinne (Zoropsis spinimana), die kürzlich erstmals in München entdeckt wurde.

Die Artgenossen des Münchner Neubürgers sind ursprünglich als wärmeliebende Spinnenart in den Wäldern des Mittelmeerraums beheimatet. Erst seit ein paar Jahren werden immer wieder auch Exemplare weiter nördlich gesichtet; seit 2005 gibt es die recht große und auffällige Kräuseljagdspinne auch in Deutschland. Die expansive Art hat inzwischen das gesamte Oberrheintal besiedelt und ist seit neuestem eben auch in München zu Hause. Im Gegensatz zu ihren Verwandten in Südeuropa lebt die Art in Deutschland vorwiegend in Gebäuden. Mit ihren zwei Zentimetern Durchmesser ist Zoropsis spinimana zwar durchaus mit einer Tarantel vergleichbar, eine Gefahr für den Menschen bestehe jedoch nicht, bekräftigt Jörg Spelda von der Zoologischen Staatssammlung München. Die Spinne sei nicht wirklich aggressiv, außerdem wäre ein Biss vergleichsweise harmlos, so der Experte.

Etwas angriffslustiger ist da die ebenfalls aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland einge-wanderte Mildes Dornfingerspinne (Cheiracanthium mildei). Die kleine, unauffällige Schwester des Ammen-Dornfingers könne durchaus auch mal zubeißen, wobei ihr Biss mit dem Stich einer Wespe oder Biene vergleichbar ist, so Spelda. Auch in München gab es bereits einen Bissunfall, der Übeltäter wurde anschließend der ZSM übergeben und befindet sich inzwischen in deren Sammlungsmagazinen an der Münchhausenstraße in München-Obermenzing. Auch diese Spinne wurde im Rahmen des DNA-Barcoding-Projektes der ZSM  genetisch bestimmt und ihr DNA-Code in eine globale Gendatenbank aufgenommen. Die genetischen Befunde bestätigten eindeutig die Zugehörigkeit zur Mittelmeerart Cheiracanthium mildei.

„In Zukunft ist vermehrt mit der Einwanderung wärmeliebender Arten zu rechnen“, äußert sich Stefan Schmidt, Koordinator der DNA-Barcoding-Projekte an der ZSM. Seine Arbeitsgruppe hat die vollständige genetische Erfassung der bayerischen Tierwelt zum Ziel. Hierzu nutzen die Wissenschaftler bereits seit Jahren die sogenannte DNA-Barcoding-Methode, die sich zur sicheren Artbestimmung bei Tieren bestens eignet.

Es wimmelt im Nationalpark Bayerischer Wald

Erzwespe Mymar pulchellum

Erzwespe Mymar pulchellum

„Die Artenfülle hat uns alle überrascht“, sind sich Prof. Dr. Gerhard Haszprunar, Generaldirektor der Staatli­chen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB), und Dr. Franz Leibl, Leiter der Nationalparkver­waltung Bayerischer Wald, einig. Im Rahmen eines weltweiten Kooperationsprojekts zur genetischen Erfas­sung von Insekten wurden im Bayerischen Wald während der Sommermonate nur eines Jahres insgesamt über 2.500 verschiedene Insektenarten genetisch erfasst – und das mit nur einer einzigen Insektenfalle.

Als Teil eines internationalen Insektenfang-Projekts (Global Malaise Programm, GMP) wurde im Sommer 2012 im Nationalpark Bayerischer Wald eine sogenannte Malaise-Falle aufgestellt. Malaise-Fallen sind zeltartige Gebilde, die sich besonders gut zur Erfassung der Biodiversität flugaktiver Insekten eignen. Während der nur fünf Monate dauernden Fangzeit wurden fast 30.000 Insekten gesammelt, die 2.530 Arten zugeordnet werden konnten. „Eine enorme Zahl, wenn man bedenkt, dass in den bisherigen Langzeiterfassungen für den Nationalpark erst 3257 Insektenarten sicher nachgewiesen wurden“, freut sich Dr. Franz Leibl, Leiter der National­parkverwaltung „Gerade im Hinblick auf das ansonsten weithin beobachtete Artensterben ist dieses Ergeb­nis sehr erfreulich. Nicht zu Unrecht gilt der Nationalpark Bayerischer Wald als eines der 30 Hotspot Gebiete für biologische Vielfalt in Deutschland.“ Schätzungen gehen derzeit von über 7.000 Insektenarten für den Nationalpark Bayerischer Wald aus.

Und eine weitere Überraschung zeigt die lange Liste der Arten aus dem Bayerischen Wald: Knapp die Hälfte der bestimmten Arten ist nur jeweils durch ein einziges Exemplar vertreten – sogenannte Singletons. „Dies zeigt uns deutlich, dass es weit mehr seltene Arten gibt, als bisher angenommen“, so Dr. Stefan Schmidt von der Zoologischen Staatssammlung München. Gerade solche Funde, wie die sehr seltene und mikroskopisch kleine Erzwespe Mymar pulchellum, freuen den Hautflügler-Experten Schmidt ganz besonders: „Es wird viel von Biodiversität geredet, dabei sind viele Arten vor allem kleinerer Insekten noch unentdeckt, und das sogar in unseren heimischen Wäldern“.

Initiator des internationalen Insektenfang-Projekts (Global Malaise Programm, GMP) ist der kanadische For­scher Paul Hebert, der sich zum Ziel gesetzt hat, weltweit alle Tierarten genetisch zu erfassen, und zu die­sem Zweck in Kanada ein großes Analyselabor aufgebaut hat. Im GMP wurde seit 2012 an 50 Standorten über den gesamten Erdball verteilt jeweils eine Malaise-Falle aufgestellt, deren Fangergebnisse nun kurz vor der endgültigen Auswertung stehen. Aus dem Projekt sollen insgesamt rund 1 Millionen Insektenproben genetisch erfasst werden. Zur Bestimmung der Arten werden sogenannte DNA-Barcodes erstellt: DNA-Sequen­zen, die für jede Art einzigartig sind. Spannendes Ziel des Ma­laise-Programms ist der globale Vergleich der Insektenvielfalt auf der Erde. Als optimaler Standort für Mitteleuropa wurde als naturnahe Waldlandschaft der Nationalpark Bayerischer Wald ausgewählt.

Ringipleura – unsere neueste „Meeresnacktschnecken-Revolution“

Wer hätte geahnt, dass dick beschalte Ringiculidae die nächsten Verwandten der oft hübsch bunten Meeres-Nacktschnecken (Nudipleura) sind? Niemand! Ganz ehrlich, wir auch nicht. Doch molekulare Stammbäume und auch mikroanatomische Befunde lassen kaum Zweifel: Siehe www.nature.com/articles/srep30908 (open access).

Ringipleura

Alles Ringipleura: Links eine beschalte Ringiculidae, mittig zwei Nudibranchier, rechts ein Pleurobranchidae (aus Kano et al., 2016)

Soeben in Scientific Reports erschienen ist das wohl das Paper, das uns, dem japanisch-australisch-münchnerische Autorenteam, die letzten Monate über am meisten Spaß gemacht hat. Skurril ist das Ergebnis, unerwartet, vermutlich Lehrbuch-verändernd. Und spannend in den Auswirkungen, was die Evolution der Schnecken angeht – das ungleiche Schwesternpaar hat sich wohl aufgrund von Anpassungen an unterschiedliche Lebensräume mehr als 200 Millionen Jahre lang auseinander gelebt… Aber auch mit Konsequenzen, was den Fossilbefund der Schalen angeht: Hatten mesozoische Vorfahren der Meeres-Nacktschnecken noch eine Schale? Wie sah sie aus? Zu welchen Stammeslinien gehören die Unmengen an Ringicula-ähnlichen fossilen Schalen wirklich?

Ein Traum vieler Biologiestudenten ist es ja, irgendwann mal eine schöne neue Art der Meeres-Nacktschnecken zu entdecken und ihr einen Namen zu geben. Unser Traum war es, den Ursprung aller Nudipleura zu erforschen und aufzuklären. Die neue gemeinsame Gruppe mit den Ringiculida haben wir Ringipleura getauft, ein neues Taxon im Tierreich zwischen Klasse und Ordnung. So was finden auch gestandene Biologen nicht alle Tage.

Michael Schrödl, ZSM, Mollusca

KANO, Y., BRENZINGER, B., NÜTZEL, A., WILSON, N.G. & SCHRÖDL, M. 2016. Ringiculid bubble snails recovered as the sister group to sea slugs (Nudipleura). Scientific Reports 6: 30908.

DNA-Barcoding: Wertvoller Zeitgewinn für Forensiker

Die Kaisergoldfliege Lucilia caesar gehört zu den Schmeißfliegen und besiedelt Leichen bereits in einem frühen Stadium (Foto: SNSB-ZSM).

Die Kaisergoldfliege Lucilia caesar gehört zu den Schmeißfliegen und besiedelt Leichen bereits in einem frühen Stadium (Foto: SNSB-ZSM).

Auf dem 13. Internationalen Meeting der European Association for Forensic Entomology in Budapest, Ungarn Ende Mai 2016 haben Wissenschaftler der ZSM erste Ergebnisse aus ihrer Kooperation mit dem  Kriminaltechnischen Institut des Bayerischen Landeskriminalamts  (BLKA) präsentiert. Die innovative Methode des DNA-Barcoding zur schnellen und exakten Artbestimmung könnte zukünftig eine wertvolle Ergänzung für die Arbeit der forensischen Entomologen sein.

Forensische Entomologie
Grundsätzlich machen sich die Forensiker der Kriminalpolizei die Insektenbesiedelung eines Leichnams zu Nutze. Die Artzusammensetzung der vorgefundenen Insektengesellschaft kann helfen, die Mindestliegezeit einer Leiche zu bestimmen. Das Alter der an einer Leiche aufgefundenen Insektenlarven lässt ebenfalls Aussagen über die Liegezeit zu. Nachteil der Methode: Die klassische Artbestimmung der Insekten anhand ihrer äußerlichen Merkmale ist in der Regel sehr zeitaufwändig. Gerade die Eier und Larven der relevanten Insektenarten lassen sich teilweise nur sehr schwer bestimmten Arten zuordnen. Häufig müssen sie erst im Labor erbrütet werden, was je nach Entwicklungsstand bis zu drei Wochen dauern kann.

DNA-Barcoding verschafft Zeitvorsprung
Genau hier kommen die Münchner Forscher ins Spiel: Seit 2015 arbeiten diese in enger Kooperation mit dem Sachgebiet 204 des Kriminaltechnischen Instituts des BLKA an einer genetischen Referenzdatenbank von forensisch relevanten Insekten. Die Datenbank umfasst inzwischen die DNA-Barcodes von rund 1000 Individuen mit 80 Arten, die von einem Versuch mit Schweinekadavern stammen, und wurde nun erstmals einem Praxistest unterzogen. DNA-Barcodes sind DNA-Sequenzen, die für jede Art einzigartig sind und so eine exakte Artbestimmung zulassen.

Für den Test stellte die Münchner Rechtsmedizin dem DNA-Barcoding Team der ZSM Insektenproben von 30 menschlichen Leichen zur Verfügung. In einer Vergleichsstudie wurden daraus zunächst die DNA-Barcodes von 400  von Hand vorsortierten Insekten erstellt. Demgegenüber bedienten sich die Münchner Forscher einer neuen Methode in der Sequenziertechnik: dem Next Generation Sequencing  – kurz NGS –, bei dem eine gemischte Massenprobe als Ganzes untersucht wird  – ohne mühsame und zeitaufwändige Vorsortierung. So lassen sich alle vorhandenen Arten aus einem „Arten-Gemisch“ in einem einzigen Analysegang nachweisen.

Mit durchschlagendem Erfolg: In nur 30 Arbeitsstunden konnten aus der Mischprobe 31 verschiedene DNA-Barcodes identifiziert und ebenso vielen unterschiedlichen Insektenarten zugeordnet werden. In Vergleich dazu entsprachen nur 13 davon den Referenzbarcodes aus den vorher von Hand, nach äußerlichen Merkmalen vorsortierten Exemplaren. Der Versuch zeigte deutlich das vielversprechende Potential der NGS-Methode: Sie könnte Forensikern ein wertvolles Werkzeug zur schnellen und zuverlässigen Artbestimmung an die Hand geben. „Die neue Methode  könnte uns einen wichtigen Zeitgewinn bei der Aufklärung von Tötungsdelikten verschaffen“ zeigen sich die forensischen Entomologen Dr. Frank Reckel und Dr. Jan-Eric Grunwald vom Kriminaltechnischen Institut des BLKA vom Ergebnis angetan.

Münchner Forscher wollen Sprung in die Praxis
Ziel ist nun der weitere Ausbau einer forensischen, genetischen Referenzbibliothek für Zentraleuropa. „Wir hoffen sehr auf weitere Kooperationen  mit anderen  forensischen Institutionen, insbesondere auf die Bereitstellung von DNA-Referenzen aus ganz Europa“ so ZSM Forscher Jérôme Morinière. In der nun zweiten Phase der DNA-Barcoding Projekte an der Zoologischen Staatssammlung München stehen praktische Anwendungen der Methode im Vordergrund.

Imagefilm: DNA-Barcoding in Bayern

“Vielfalt erforschen und nutzbar machen” ist Thema des Imagefilms über das DNA-Barcoding an der Zoologischen Staatssammlung München. Die ZSM ist derzeit Europas führendes Institut im DNA-Barcoding und weltweit auf Platz zwei der Probenlieferanten für das internationale Projekt iBOL. Ziel ist nun unter anderem der Sprung von der Grundlagenforschung in die Praxis.

Der Film wurde von Catkin Media produziert und erstmals im November 2015 auf dem Barcoding-Infotag vorgestellt.

Voucher specimens of IndoBioSys project repatriated to the Museum Zoologicum Bogoriense

In April and May 2016, the first two batches of vouchers, about 2,000 mounted and labelled specimens of insects, were repatriated to the collection of the Museum Zoologicum Bogoriense, Research Center for Biology – LIPI, in Cibinong, Indonesia. The specimens were processed through the DNA barcoding pipeline at the Zoologische Staatssammlung München (ZSM) as part of the IndoBioSys project – Indonesian Biodiversity Discovery System.

The project aims at developing new approaches to discover and describe Indonesian biodiversity. IndiBioSys is a G-to-G (government to government) initiative between Germany and Indonesia, funded by the German Federal Ministry of Education and Research (BMBF) and the Indonesian State Ministry of Research and Technology (RISTEK). The ZSM is, in cooperation with the Museum Zoologicum Bogoriense, establishing a novel high-throughput biodiversity discovery pipeline that is based on DNA barcoding as an efficient mean to assess the biodiversity of a region that is among the world’s top biodiversity hotspots.

DNA barcoding is a molecular tool for the fast and reliable identification of biological specimens and for the discovery of unknown species. Specimens of unknown identity are assigned a unique identifier based on DNA sequence data to make the species recognisable without the need for the immediate formal taxonomic treatment that is usually laborious and time-consuming. Traditional taxonomic practices have often been a major obstacle for the fast and efficient discovery and characterization of unknown biodiversity.

The returned voucher specimens will be permanently deposited in the MZB as Indonesia’s national zoological repository. Together with the data that are associated with the specimens (collecting data, sequences, photographs, biological data, etc.), the barcoded specimens represent a valuable source for research projects in the future.

Da geht was, in der Münchner Malakologie!

Vortragspreise, erfolgreiches Spendensystem, neues Buch gegen Schneckenplage …

Kürzlich hielt ich einen Vortrag über die neue Systematik von Heterobranchier-Schnecken vor der Malacological Society of London, der vermutlich ältesten Fachgesellschaft zur Erforschung der Weichtiere der Welt. Die Kollegen dort waren sichtlich beeindruckt, wie produktiv wir Münchener Molluskenforscher an der ZSM, am Biozentrum der LMU und auch in der Paläontologie in den letzten Jahren waren. Was mich sehr gefreut hat. Denn, wie andere Kollegen auch, kompensieren wir mit enormem Enthusiasmus, persönlichem Einsatz und Kreativität die schwierigen personellen und finanziellen Rahmenbedingungen, so gut es eben geht.

Im Bereich Mollusca ist jedoch auch außerhalb von Forschungen und Veröffentlichungen zu viel Erfreuliches passiert, um es nicht kurz zusammenzufassen:

Preise: Nicht weniger als drei Doktoranden und Doktorandinnen aus dem „Journal & Coaching Club“ der Molluskensektion gewannen erste Vortragspreise auf internationalen Konferenzen. Dazu kam noch ein Posterpreis. Ich gratuliere nochmals sehr herzlich:Pete

Dipl. Biol. Pete(r) Kohnert. 1. Preis für den Vortrag “North vs. South: Who exactly is Limacina helicina? (Gastropoda, Euopisthobranchia, Pteropoda, Thecosomata)” von Kohnert P, Laibl C, Schrödl M auf dem Meeting “Planktic gastropods: biology, ecology and palaeontology” der Malacological Society of London und des Marine Institute at Plymouth University in London, April 2015.

Dipl. Biol. Basti(an) Brenzinger. 1. Preis für den bestenBasti studentischen Vortrag „Shells versus sequences? Origin of the ‚architectibranch’ Ringiculidae“ von Brenzinger B, Schrödl M, Nützel A, Wilson NG, Kano Y auf dem 5th International Workshop on Opisthobranchia ICBAS-UP, in Porto, Juli 2015.

Bsc. Anja Biging erhielt auf dem selben Meeting den ersten Preis für ihr Poster “Island hopping along the Indo-Pacific Archipelago – Molecular species delineation and biogeography in the freshwater slug Acochlidium (Acochlidia, Heterobranchia)” von Biging A, Brenzinger B, Neusser TP, Schrödl M, Jörger KM.

Msc. Franzi(ska) Bergmeier (AG Jörger / Haszprunar) erhieltFolie11 den “Frontiers in Marine Science Award” auf dem 14th Deep Sea Biology Symposium in Aveiro, Portugal, August to September 2015 für ihren Vortrag „Disparate curiosities: an integrative approach to the diversity of abyssal Solenogastres in the Kuril-Kamchatka region“ von Bergmeier F, Schwabe E, Brandt A, Jörger KM. Ein großartiger Erfolg auf einem Meeting mit mehreren Hundert Teilnehmern aus aller Welt!

 

Spendensystem: Das im November 2015 veröffentlichte medizinisch-mentale Büchlein „Schluss mit Schnupfen“ (Schrödl & Meidert, BoD) hat auf den ersten Blick zwar wenig mit Mollusken zu tun. Doch startete es eine Serie von allgemein nützlichen Büchern, deren Erlös teilweise den Nachwuchswissenschaftlern der ZSM und auch der Molluskensektion zu Gute kommen soll. Die ersten 1000 Euro Spendenanteil konnte ich bereits an die Freunde der ZSM e.V. überweisen.

Salatschneck

www.nacktschneckenplage.de

Das neue Buch „Schneckenplage muss nicht sein“ (Schrödl, BoD) erschien soeben, gerade rechtzeitig zur Gartensaison. Das Wegschneckenproblem wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und mit konventionellen und neuartigen Methoden angegangen. Vielleicht könnte ich auch sagen, effektiv und umweltfreundlich gelöst, doch will ich hier nicht zu viel verraten. In seinem Vorwort wünscht Prof. Haszprunar dem Buch viel Erfolg und großen Nutzen für die Leser. Dem kann ich mich nur anschließen, mit der Hoffnung auf viele Spenden an die Freunde der ZSM e.V. (Stichwort „Schnecken“)! Damit wir auch weiterhin erfolgreich sammeln, forschen, publizieren und kommunizieren können.

Herzlichen Gruß, Michael Schrödl (ZSM)

 

Announcement: 18th R.J.H. Hintelmann Science Award for Zoological Systematics

The award was established by Mrs Elisabeth Hintelmann in memory of her husband, Robert J. H.Hintelmann

For outstanding achievements in zoological systematics, phylogenetics, paleontology, morphology, faunistics or zoogeography the association Freunde der Zoologischen Staatssammlung München e.V. has the pleasure to announce the 18th R.J.H. Hintelmann Science Award. The award has a value of Euro 5,000.- and its target group are young post-graduate scientists. The award is being awarded annually since the year 2000.

This prize is awarded not only in appreciation of the previous scientific performance of the applicant, but the winner will also be given the opportunity to continue his/her research work in cooperation with the Zoologische Staatssammlung München (ZSM). This may be carried out either by visiting the ZSM or by being provided with ZSM materials for work elsewhere. The 18th R.J.H. Hintelmann Scientific Award will be presented on January, 20th, 2017 during a ceremony at the ZSM in Munich, where the prize-winner has to provide a short lecture on his/her research topics.

Nominations may name any young post-graduate scientist, not yet in a permanent position, with outstanding performance in one or more of the fields mentioned above. The pertaining proposal or application should provide an account of the candidate’s scientific achievement. In addition, CV, list of publications, and selected reprints (not more than five) have to be submitted (please submit all in digital form, e.g. DVD, USB Stick, Dropbox link etc). The submitted documents remain with the awarding association.

Candidates may be nominated by any zoologist / systematist; self-nomination and repetitive application in several years are also possible. The prize-holder is elected on absolute majority basis by a jury appointed by the executive committee of the “Freunde der Zoologischen Staatssammlung München e.V.” Depending on the quality of applications the association reserves the right to withhold the award in any given year.

Please send applications or nominations until 31 July 2016 to:

Freunde der Zoologischen Staatssammlung München e.V.
c/o Michael Balke
R.J. H. Hintelmann-Wissenschaftspreis
Muenchhausenstrasse 21
81247 Munich
Germany

or by email to kaefer@zsm.mwn.de and cc to schoenitzer@zsm.mwn.de

For further information please contact our secretary Michael: kaefer@zsm.mwn.de

Meeresnacktschnecken auf Landgang

Da ist er also, Aiteng marefugitus, der erste Meeresnacktschneck an Land! Auf einer von tropischem Urwald bedeckten Insel im Palau Archipel fanden unsere japanischen Kollegen ein paar kleine seltsame Nacktschnecken. Sie erinnerten entfernt an heimische, „nackige“ Landlungenschnecken, tragen aber keine typisch länglichen Tentakel mit Stielaugen darauf.

Unsere anatomisch-histologischen und molekularen Daten (Kano et al. 2015) belegen, dass die neue, terrestrische Schneckenart zur Familie der Aitengidae gehört. Dies ist eine erst 2009 entdeckte Gruppe von Meeresschnecken (Acochlidien), die die Gezeitenzone als Lebensraum eroberte. Der Landgang erfolgte unseren molekularen Analysen nach direkt vom Meer über die Gezeitenzone ans Land. Also nicht, wie sonst bei Schalenschnecken üblich, über Süßgewässer als Übergangs-Lebensraum. Wie ihre marinen Vorfahren ernährt sich die neue Nacktscheckenart vermutlich von Eiern oder Puppen von Insekten oder auch von Eiern anderer Schnecken. Vor Wasserverlust ist sie in der feuchten Streu der Regenwälder geschützt. Aiteng marefugitus besitzt außerdem ein speziell ans Landleben angepasstes Exkretionssystem. Diese erste Land-Nacktschnecke ganz ohne Lunge absorbiert wohl ausreichend Sauerstoff über die Körperoberfläche.

Acochliden sind eine der morphologisch und ökologisch vielfältigsten Schneckengruppen, bei übersichtlicher Artenzahl. Deshalb haben wir sie vor Jahren als „Modellgruppe“ für intensivere, vergleichend anatomisch evolutionäre Forschung ausgewählt. Dass Acochlidien offensichtlich den Landgang schafften, überraschte selbst uns ein wenig.

KANO, Y., NEUSSER, T.P., FUKUMORI, H., JÖRGER, K.M. & SCHRÖDL, M. 2015. Sea-slug invasion of the land. Biological Journal of the Linnean Society 116: 253-259. (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/bij.12578/abstract)

Lebender Aiteng marefugitus: Ein, wie der lateinische Name schon sagt, “aus dem Meer geflüchteter”, terrestrischer Nacktschneck mit marinen Vorfahren. Photos: Dr. Yasunori Kano, Tokyo University

Lebender Aiteng marefugitus: Ein, wie der lateinische Name schon sagt, “aus dem Meer geflüchteter”, terrestrischer Nacktschneck mit marinen Vorfahren.
Photos: Dr. Yasunori Kano, Tokyo University