Category Archives: Hymenoptera

Schädlingen in die Gene geschaut: Über 1000 Pflanzenwespen-Arten genetisch erfasst

Corynis obscura F. in Geranium flower

Keulhornblattwespe Corynis obscura in Storchschnabelblüte (Foto: S. Schmidt)

Die Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM) und das Senckenberg Deutsche Entomologische Institut (SDEI) haben einen großen gemeinsamen wissenschaftlichen Erfolg zu verzeichnen. Die Wissenschaftler entschlüsselten nun den genetischen Code von über 1000 Pflanzenwespen-Arten (Symphyten) und stellen diesen in einer Online-DNA-Bibliothek frei zur Verfügung. Ihre Ergebnisse stellen sie diese Woche in einer Publikation vor.

Sie sind zwar nicht so bekannt wie ihre oft schwarz-gelb gefärbten Verwandten aus der Gruppe der ‚echten‘ Wespen, aber zumindest bei Land- und Forstwirten ebenso unbeliebt: Die Pflanzenwespen oder wissenschaftlich Symphyta. Deren gefräßige Larven ernähren sich bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich von Pflanzen und einige Arten können in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Zierpflanzenanbau großen Schaden anrichten. Anhand der nun entschlüsselten Gencodes, die in einer frei zugänglichen Internet-Bibliothek zur Verfügung stehen, können die Schädlinge in Zukunft rasch und sicher und vor allem bereits in einem frühen Entwicklungsstadium als Larven selbst durch Nicht-Spezialisten identifiziert werden. Die DNA-Datensammlung ist damit auch von großem wirtschaftlichem Nutzen bei der Schädlingsbekämpfung.

Die genetische Erfassung der Pflanzenwespen erfolgte im Rahmen eines Kooperationsprojektes der Zoologischen Staatssammlung München und des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg. Insgesamt lagern in diesen beiden Sammlungen weit über 100.000 präparierte Pflanzenwespen. Seit 2010 werteten die Symphyten-Forscher der beiden Institute 5360 Individuen aus, welche 1030 verschiedenen Arten zugeordnet werden konnten, darunter etwa 300 außereuropäische Formen.  „Die Erfassung dieser großen Artenzahl war nur durch die umfangreichen Sammlungsbestände der beiden beteiligten Institutionen und die tatkräftige Unterstützung durch zahlreiche externe Fachkollegen möglich“, freut sich Stefan Schmidt, Sektionsleiter an der ZSM. Jetzt liegen Daten für etwa 600 deutsche Arten vor, das sind 75% der heimischen Pflanzenwespenfauna. „Das Projekt ist ein großer wissenschaftlicher Erfolg und ein Meilenstein auf dem Weg zu einer umfassenden Genbibliothek der Pflanzenwespen, der in Müncheberg weiter beschritten wird“, so Andreas Taeger vom SDEI.

Die Pflanzen- oder auch Sägewespen sind eine von Taxonomen bislang eher vernachlässigte Insektengruppe innerhalb der sogenannten Hautflügler. Grund hierfür ist die oft schwierige Bestimmung der Tiere anhand ihrer äußeren Merkmale, da sich viele Arten auch bei genauerem Hinsehen kaum voneinander unterscheiden oder die Merkmale innerhalb einer Art sehr variabel sind. Für solche Gruppen eignet sich die DNA-Barcoding-Methode zur Artbestimmung ganz besonders. Die genetischen Daten bilden zudem eine wichtige Grundlage für weiterführende Untersuchungen zur Klärung der Taxonomie und Systematik dieser Gruppe. Die Gensequenzierung erfolgte im Rahmen der Projekte “Barcoding Fauna Bavarica” und “German Barcode of Life”. In diesen Projekten erfassen die Münchener Forscher den Gencode aller bayerischen, beziehungsweise deutschen Tierarten in einer Online-Bibliothek und stellen ihn damit für Fachleute zur Verfügung.

Publikation: Schmidt, S., Taeger, A., Morinière, J., Liston, A., Blank, S. M., Kramp, K., Kraus, M., Schmidt, O., Heibo, E., Prous, M., Nyman, T., Malm, T. and Stahlhut, J. (2016), Identification of sawflies and horntails (Hymenoptera, ‘Symphyta’) through DNA barcodes: successes and caveats. Mol Ecol Resour. doi:10.1111/1755-0998.12614

Ameisenwespen für die ZSM

Die Sektion Hymenoptera der ZSM konnte durch eine wertvolle Sammlung südländischer und tropischer Wespen bereichtert werden. Durch finanzielle Unterstützung der Freunde der Zoologischen Staatssammlung München e.V. konnte eine Spezialsammlung zumeist seltener Wespen von Dr. Guido Pagliano aus Turin in Italien erworben werden. Die Sammlung besteht vor allem aus Vertretern der Famile Mutillidae oder zu deutsch Ameisenwespen. Daneben sind auch Bradynobaenidae vertreten, bei denen es sich um selten gesammelte Wüstenbewohner handelt. Die Arten kommen bei uns nicht vor und es existiert kein deutscher Name für die Familie.

Mutillidae

Ameisenwespen (v.l.n.r): Hoplomutilla uncifera Buysson, Dasymutilla klugii (Gray) und Hoplocrates pompalis Mickel. Fotos: Stefan Schmidt

Mutillidae werden wegen ihrer Ähnlichkeit mit Spinnen oder Bienen auch als Spinnen- oder Bienenameisen bezeichnet. Sie stehen jedoch verwandschaftlich unseren gemeinen Wespen näher als den Bienen oder gar den Spinnen. Ameisenwespen sind oft auffällig gefärbt und die Weibchen ungeflügelt. Die Arten sind vor allem in tropischen und subtropischen Gebieten verbreitet und von den weltweit rund 6000 bekannten Arten kommen nur neun Arten bei uns vor. Die Larven entwickeln sich parasitisch und ernähren sich von den Larvalstadien anderer Insekten wie z.B. Wespen, Schmetterlinge, Käfer oder Schaben.

Die Sammlung von G. Pagliano stellt eine wertvolle Bereicherung der Hymenopterensammlung der ZSM dar. Die Sektion Hymenoptera beherbergt mit rund drei Millionen Sammlungsobjekten die mit Abstand größte Hymenopterensammung Deutschlands und gehört damit zu den weltweit bedeutendsten Sammlungen.

Stefan Schmidt

Ichneumonidae collection of Klaus Horstmann transferred to the ZSM

High-res images of the excess collection now available online!

Ichneumonidae ex coll. Horstmann (Photo: Olga Schmidt)

Ichneumonidae ex coll. Horstmann (Photo: Olga Schmidt)

The excellent ichneumonid collection of Klaus Horstmann has recently been transferred to the ZSM. Horstmann was one of the most highly respected specialists of Ichneumonidae in the last and the current century.  He published around 200 publications, about 160 of them dealing with Ichneumonidae. Many of these are comprehensive revisions, often in some of the taxonomically most difficult groups that ichneumonids have to offer. The collection is internationally one of the most valuable and important collections of ichneumonid wasps. It contains many primary type specimens and and virtually all identifications are based on comparison with types and therefore highly reliable.

The collection consists of two parts, viz. 1) the main collection that is set up as a reference collection, and 2) an excess collection with duplicates, represenatatives of undescribed species, series of specimens of the same species, and material that Horstmann had on loan. High-resolution images of the excess collection will allow owners of borrowed material to locate their specimens in the excess collection and assist the curators in returning the loans. The images are publicly available as Picasa web album and on Google+

A list of publications with PDFs of recent articles has been compiled and is available online.

Stefan Schmidt

ZSM Forscher entdecken unbekannte Wespenart in Deutschland

Forscher der Zoologischen Staatsammlung München entdeckten mit Hilfe genetischer Methoden eine für die Wissenschaft bisher unbekannte Insektenart. Das Tier stammt aus Deutschland. Fachleute bewerten diesen Fund als sehr bedeutsam, weil Deutschland zu einem der zoologisch am besten erforschten Länder der Welt zählt und hier kaum noch mit unbekannten Arten gerechnet wird. Die neue Art ist eine Trugameise und gehört zur Insektenordnung der Hautflügler. Sie lebt als Brutparasit bei anderen Wespenarten.

Mehr unter: http://idw-online.de/pages/de/news486852

Nr. 10.000 kommt aus dem Bayerischen Wald

Nr. 10.000, die Langhornbiene Eucera longicornis.

Nr. 10.000, die Langhornbiene Eucera longicornis.

Das Tier ist eine Langhornbiene mit dem wissenschaftlichen Namen Eucera longicornis. Die Art repräsentiert die 10.000ste Probe im Teilprojekt „Bienen und Wespen“ des ehrgeizigen Projektes „Barcoding Fauna Bavarica“. Die Langhornbiene ist spezialisiert auf Blüten von Wicken und kommt zwar in Bayern vor, ist jedoch nicht sehr häufig. Das Tier mit der Nummer 10.000 wurde im Bayerischen Wald in der Nähe von Freyung gesammelt.

Mit dem Projekt “Barcoding Fauna Bavarica” erstellen Forscher der Zoologischen Staatsammlung in München eine genetische Bibliothek aller bayerischer Tierarten. Seit Projektbeginn vor drei Jahren konnten sie dabei Proben von mehr als 10.000 Hautflügler-Individuen auswerten. Diese Proben repräsentieren rund 2.000 Arten und damit ein Fünftel der deutschen Hautflüglerarten. Zu den Hautflüglern oder Hymenoptera gehören vor allem Schlupfwespen und Erzwespen, die in der biologischen Schädlingsbekämpfung oder als natürliche Gegenspieler von Schadinsekten in der Land- und Forstwirtschaft eine immense Rolle spielen.

Eine weitere sehr wichtige Gruppe der Hautflügler sind die Stechimmen. Neben den für die Bestäubung von Blüten sehr wichtigen Wildbienen und Hummeln sind das zum Beispiel  Grab-, Falten- oder Goldwespen. In Deutschland kommen etwa 1100 Stechimmenarten vor, knapp die Hälfte gehören wie die Langhornbiene zu den Wildbienen. Landschaftsökologen nutzen diese Insektengruppe als wichtige Bioindikatoren in der Naturschutzplanung und sind darauf angewiesen, diese Art schnell, kostengünstig und zuverlässig bis zur Art bestimmen zu können.

Die Bienensammlung von Dr. Peter Hartmann

Kasten mit Bienen aus der Sammlung von Peter Hartmann

Die Hautflüglersammlung von Dr. Peter Hartmann, der im letzten Jahr leider unerwartet gestorben ist, befindet sich seit kurzem in der Zoologischen Staatssammlung. Peter Hartmann hat sich in den letzten 20 Jahren intensiv mit Bienen beschäftigt und in dieser Zeit eine rund 12.000 Individuen umfassende Sammlung zusammengetragen. Die Sammlung besteht vor allem aus Bienen, die in seiner Heimat Oberfranken, aber auch in den Alpen, Südfrankreich, Sardinien, Griechenland, Türkei, Kirgisien und Borneo gesammelt wurden.

Kästen der Hartmann-Sammlung

Einige der Bienenexemplare und anderere aculeater Wespen wurden erst in den letzten Jahren gesammelt und finden direkt Eingang in das Barcoding Fauna Bavarica-Projekt der ZSM.

Die Sammlung wurde durch finanzielle Unterstützung der ZSM, der Freunde der Zoologischen Staatssammlung und des Barcoding Fauna Bavarica-Projektes ermöglicht.

Fast, linked, and open access: The Journal of Hymenoptera Research

untitledOn February 8th,  Pensoft published the first Open Access and NLM TaxPub-based issue of the Journal of Hymenoptera Research. This is the first issue after the JHR changed its publishing model to open access and moved to the brand new journal publishing platform of Pensoft Publishers (www.pensoft.net/journals/jhr).

JHR is more than a journal. It is a linked environment built upon Pensoft’s own content management software. Linking is provided at the internal level (within an article, within the journal, and within the publishing platform of Pensoft ) and to external resources (Global Biodiversity Information Facility, Encyclopedia of Life, Biodiversity Heritage Library, PubMed and PubMedCentral, Morphbank, ZooBank, Wikipedia, Wikispecies, etc.) through a dynamic web profile of each taxon mentioned within a paper. Geo-referenced localities can be mapped within taxon treatments or for the entire paper. The journal can be followed on RSS, Twitter, Facebook,Mendeley, and other social networks.

JHR will be published in four different formats: (1) high-resolution, full-color print version (2) PDF identical to the printed version; (3) HTML to provide links to external resources and semantic enhancements to published texts for interactive reading; (4) XML version compatible to PubMedCentral archiving, thus providing a machine-readable copy to facilitate future data mining. Neither restriction nor charges are imposed on the use of colour illustrations.

The latest issue is accessible via http://www.pensoft.net/journals/jhr. For more information please contact Stefan Schmidt (Editor in Chief) or Lyubomir Penev (Managing Editor)

A milestone for Bavarian bees

Nomada sexfasciata Pnz.

After less than a year of barcoding the bees of Bavaria, more than half of the species have been barcoded. In Bavaria, 505 species of bees (Apidae) have been recorded, comprising over 90% of the German bee fauna. Until now, 1615 specimens have been submitted to Guelph as part of iBOL, the international Barcode of Life project, many of them still waiting to be processed.

100+1 Sawflies

Macrophya diversipes (Schrank, 1782)

As part of the Barcoding Fauna Bavarica project, the first hundred sawflies species have unveiled their barcodes. On Bavarian territory, 641 species of Symphyta (sawflies and woodwasps) have been recorded.  Symphyta are phylogenetically basal to other Hymenoptera, like bees and wasps, with larvae of  virtually all species having a caterpillar-like appearance and feeding on plants.  As a standard procedure, voucher specimens were photographed and are deposited in the Zoologische Staatssammlung in Munich, Germany.