Author Archives: Stefan Schmidt

Bayerisches Malaisefallenprojekt

Malaisefalle auf 2000 m Höhe am Schochen in den Allgäuer Alpen.

Malaisefalle auf 2000 m Höhe am Schochen in den Allgäuer Alpen.

Im Rahmen des Projekts “Barcoding Fauna Bavarica” wurden 2011 bis 2014 insgesamt 115 Malaisefallen an 44 Standorten in Bayern und angrenzenden Regionen im süddeutschen Raum aufgestellt. Dabei wurde versucht, möglichst viele verschiedene Lebensraumtypen abzudecken, um so so ein möglichst breites Spektrum verschiedener Arten zu erfassen. In jedem Jahr wurden zwischen 20 und 39 Fallen eingesetzt, die in zweiwöchigem Abstand geleert wurden. Das Projekt brachte insgesamt rund 1.400 Proben, von denen bisher ein Drittel sortiert bzw. bearbeitet wurden. Eine einzelne Malaisefallenprobe enthält dabei bis zu 20.000 Individuen, so dass im gesamten Fangzeitraum von 2001-2014 etwa 30 Millionen Insekten gesammelt wurden.

Schwedisches Vorbild

Die Malaisefalle wurde in den 1930er Jahren von dem schwedischen Insektenforscher René Malaise entwickelt. Es handelt sich um eine hocheffiziente, zeltartige Falle aus Moskitonetz-Gewebe mit einer zentralen Mittelwand und einem schrägen Dach. Die leicht aufzustellende Falle eignet sich besonders zum Fang flugaktiver Insekten, die gegen die Mittelwand fliegen und sich ihres oft positiv phototaktischen Verhaltens an der Mittelwand senkrecht nach oben dem Licht entgegen bewegen. Die Insekten passieren dann eine enge Öffnung an der Spitze der Falle und gelangen in eine Flasche mit einer Flüssigkeit, die mit einem Konservierungsmittel gefüllt ist. Die Positionierung der Falle hat einen großen Einfluss auf das Fangergebnis und die Falle sollte im Idealfall mit der Rückwand an eine Leitstruktur im Gelände (Waldrand, Hecke, Felskante) aufgestellt werden. Heute werden Malaisefallen weltweit zur Erfassung von Insekten eingesetzt denn sie erlaubt es, die Insektendiversität eines Gebietes in kurzer Zeit hocheffizient zu erfassen.

Malaise trap locations 2011-2014

Standort der von 2011-2014 aufgestellten Malaisefallen.

Das bayerische Projekt ist vergleichbar mit dem Schwedischen Malaisefallenprojekt, bei dem von 2003 bis 2005 in ganz Schweden 75 Fallen an 50 Standorten aufgestellt wurden. Die Fallen lieferten insgesamt 2.000 Proben mit schätzungsweise 40 Millionen Insekten. Bis zum Jahr 2009 konnten, obwohl erst 35% der Proben nach Ordnungen sortiert worden waren, bereits über 1.000 für Schweden neue Arten nachgewiesen werden, davon waren rund 50% der Arten neu für die Wissenschaft.

Neue Arten in Bayern

In Deutschland ist Bayern das erste Bundesland, in dem ein derart umfangreiches Malaisefallenprojekt durchgeführt wurde. Die bisherigen Auswertungen ergaben bereits Dutzende von Neunachweisen für Bayern, und es ist mit weiteren Entdeckungen zu rechnen. Darüber hinaus zeichnet sich jetzt bereits ab, dass sich unter den Proben viele bisher unbeschriebene und der Wissenschaft unbekannte Arten befinden. Vor allem bei wenig bearbeiteten und kryptischen Tiergruppen, zu den viele Diptera und Hymenoptera zählen, ist mit hunderten neuer Arten zu rechnen. Aufgrund der hohen Probenqualität (Ethanolkonservierung) können diese Proben nun erstmals auch molekulargenetisch analysiert und somit bestimmbar gemacht werden.

Projekt im Projekt: Nationalpark Bayerischer Wald

Mymar

Mit Malaisefallen werden auch die kleinsten Fliegen, Mücken und Wespen gefangen, wie z.B. die sehr seltene parasi­toide Zwergwespe Mymar pulchellum. Die nur ca. einen Millimeter große Art konnte, obwohl bereits 1832 beschrieben, in Deutschland bisher nur wenige Male nachgewiesen werden. Bei derart kleinen Insekten wird das “Voucher Recovery Protocol” eingesetzt, bei dem die DNA zerstörungsfrei aus dem Insekt extrahiert wird und dieses somit für morphologische Untersuchungen erhalten bleibt.

Als Teil dieses Projektes wurden aus einer einzigen, im Jahr 2012 im Nationalpark Bayerischer Wald betriebenen Malaisefalle knapp 30.000 Individuen am Canadian Centre for DNA Barcoding sequenziert. Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die fast 25.000 resultierenden DNA-Sequenzen rund 2.500 Arten zuzuordnen sind. Davon konnten bisher über 1.140 Arten mittels DNA-Barcoding bestimmt werden. Weitere Arten, die bisher nicht genetisch bestimmbar waren, weil noch keine DNA-Barcodes existieren, werden auf klassische Weise durch Spezialisten bearbeitet. Ein Ergebnis, das besonders überrascht hat, ist der hohe Anteil von Arten, die nur durch wenige oder einzelne Individuen auftreten. So sind z.B. bei den Hymenoptera (Bienen und Wespen) die Hälfte der Arten nur durch ein einzelnes Individuum vertreten – ein Hinweis darauf, dass viele Arten deutlich seltener sind als bisher angenommen.

Das Projekt wurde durch die Zusammenarbeit der Zoologischen Staatssammlung mit dem Bayerischen Landesamt für Umwelt einerseits und den bayerischen Naturschutzbehörden andererseits, sowie den Nationalparks in Bayern (insbesondere dem Nationalpark Bayerischer Wald). Die Durchführung des Projektes wäre zudem nicht möglich gewesen ohne die vielen Helfer vor Ort, die für die Betreuung der Fallen verantwortlich waren. Die DNA-Barcoding-Projekte der ZSM werden finanziell unterstützt vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Verleihung der Ritter-von-Spix-Medaille

Der Förderverein der Freunde der Zoologischen Staatssammlung e.V. verlieh am Freitag, den 28.11.21014 wieder seine höchste Auszeichnung, die für besondere Verdienste. Die Ehrung erinnert an den erster Kurator der damaligen zoologisch-zootomischen Sammlung Ritter Johann Bapist von Spix (1781-1826). Sie ging diesmal an Dr. Theo Grünewaldt (Landshut), der der Zoologischen Staatssammlung (ZSM) in besonderem Maße verbunden ist und dem Freistaat Bayern seine wissenschaftliche Sammlung von rund 122.000 europäischen Schmetterlingen als Geschenk übereignet hat. Schwerpunkt sind darin die sog. Kleinschmetterlinge (“Motten”), vorwiegend in Südeuropa und Lappland gesammelt.

Foto: M. Müller

Die Sammlungsbestände der ZSM – ihrerseits die größte Schmetterlingssammlung der Welt – wurden dadurch sogar auch um einige bisher nicht vorhandene Spezies bereichert, eventuell befinden sich darunter sogar der Wissenschaft bisher unbekannte Arten. Als freier Mitarbeiter engagiert sich Dr. Grünewaldt darüber hinaus sowohl bei aktuellen Forschungs¬projekten der ZSM über Schmetterlinge als auch bei der konservatorischen Betreuung der Sammlungs¬bestände.

Am Festakt beteiligte sich auch eine Delegation aus Spix’ Geburtsstadt Höchstadt an der Aisch, angeführt von Bürgermeister Gerald Brehm, den Festvortrag über Schmetterlingsforschung in den Alpen hielt Mag. Dr. Peter Huemer vom Tiroler Landesmuseum.

Ameisenwespen für die ZSM

Die Sektion Hymenoptera der ZSM konnte durch eine wertvolle Sammlung südländischer und tropischer Wespen bereichtert werden. Durch finanzielle Unterstützung der Freunde der Zoologischen Staatssammlung München e.V. konnte eine Spezialsammlung zumeist seltener Wespen von Dr. Guido Pagliano aus Turin in Italien erworben werden. Die Sammlung besteht vor allem aus Vertretern der Famile Mutillidae oder zu deutsch Ameisenwespen. Daneben sind auch Bradynobaenidae vertreten, bei denen es sich um selten gesammelte Wüstenbewohner handelt. Die Arten kommen bei uns nicht vor und es existiert kein deutscher Name für die Familie.

Mutillidae

Ameisenwespen (v.l.n.r): Hoplomutilla uncifera Buysson, Dasymutilla klugii (Gray) und Hoplocrates pompalis Mickel. Fotos: Stefan Schmidt

Mutillidae werden wegen ihrer Ähnlichkeit mit Spinnen oder Bienen auch als Spinnen- oder Bienenameisen bezeichnet. Sie stehen jedoch verwandschaftlich unseren gemeinen Wespen näher als den Bienen oder gar den Spinnen. Ameisenwespen sind oft auffällig gefärbt und die Weibchen ungeflügelt. Die Arten sind vor allem in tropischen und subtropischen Gebieten verbreitet und von den weltweit rund 6000 bekannten Arten kommen nur neun Arten bei uns vor. Die Larven entwickeln sich parasitisch und ernähren sich von den Larvalstadien anderer Insekten wie z.B. Wespen, Schmetterlinge, Käfer oder Schaben.

Die Sammlung von G. Pagliano stellt eine wertvolle Bereicherung der Hymenopterensammlung der ZSM dar. Die Sektion Hymenoptera beherbergt mit rund drei Millionen Sammlungsobjekten die mit Abstand größte Hymenopterensammung Deutschlands und gehört damit zu den weltweit bedeutendsten Sammlungen.

Stefan Schmidt

Bisondame „Marla“ mit eigenem Barcode

DNA-Barcoding: Auch Zootiere werden jetzt genetisch erfasst

Gemeinsam ist man stärker: Die Zoologische Staatsammlung München kooperiert mit dem Münchener Tierpark Hellabrunn, um alle im Zoo gehaltenen Tierarten genetisch zu erfassen und die ermittelten Gencodes über eine Internetplattform allgemein zugänglich zu machen. Ziel ist es, künftig auch große und kleine Zootiere sicher und langfristig nachprüfbar bestimmen zu können. Dabei reichen bereits kleine Proben der Tiere wie Abstriche, Haare, Federn, ein Tropfen Blut oder ein wenig Kot für eine zuverlässige Artbestimmung aus.

Waldbison Marla

„Marla“ kurz nach ihrer Geburt 2012. Die Bisondame ist mittlerweile in den Zoo von Leipzig umgezogen. Foto: Tierpark Hellabrunn.

Die Waldbisonkuh „Marla“ machte den Anfang. Die Wissenschaftler erstellten aus einer Blutprobe den ersten DNA-Barcode des Zooprojektes. Das Tier musste dafür nicht extra bluten, weil die Probe bei einer regulären tierärztlichen Untersuchung gewonnen wurde. In den nächsten Monaten sollen alle 700 Tierarten im Tierpark Hellabrunn genetisch erfasst werden. Dabei wird das sogenannte CO1-Gen aus den Mitochondrien analysiert, welches für jede Tierart der Welt unterschiedlich ausgeprägt ist. Der Genabschnitt kann dabei ähnlich wie ein Strich-Barcode auf den Verpackungen von Lebensmitteln dargestellt werden, weist aber vier Farben auf.

Die Spezialisten des Tierparks und der Zoologischen Staatsammlung München erhoffen sich aus dem Projekt zahlreiche Vorteile. „Bei vielen Säugetierarten ist es kaum möglich, an einem lebenden Tier die genaue Unterart und damit seine Herkunft zuverlässig festzustellen“, erläutert Dr. Christine Gohl, leitende Tierärztin in Hellabrunn, die Anforderungen moderner Zootierhaltung. Die genetischen Sequenzen hingegen sind in fast allen Fällen eindeutig und verraten zuverlässig, welche Tierart man vor sich habe, sagt die Expertin weiter. Dies spielt vor allem bei internationalen Erhaltungszuchtprogrammen eine Rolle. Doch auch beim Erwerb neuer Tiere muss der Zoo stets akribisch überprüfen, was genau er denn in seinen wertvollen Tierbestand aufnimmt.

Prof. Dr. Gerhard Haszprunar, der Leiter des Projektes, nennt weitere Anwendungen: „Der Zoll braucht DNA-Barcodes, um den Schmuggel geschützter Tierarten besser zu bekämpfen.  Immer häufiger bringen Touristen Tiere oder Teile von Tieren über die Grenze. Künftig kann der Zollbeamte zum Beispiel bei Fellresten oder Schmuckgegenständen, die aus Tierteilen bestehen, schnell und zuverlässig feststellen, worum  es sich genau handelt“. Auch falsch deklariertes Fleisch lässt sich so gerichtsfest zuordnen. Da zunehmend Fleisch exotischer Tiere auf den deutschen Markt gelangt, wird das Gen-Barcoding bei Lebensmittelkontrollen vielleicht bald eine bedeutende Rolle spielen. Ein weiteres, völlig neues Feld ist zudem die Erfassung diverser Parasiten von Zoo- und Haustieren, deren Erforschung und Bekämpfung durch das genetische Barcoding erleichtert werden soll.

Die Gensequenzierung erfolgte im Rahmen des Projektes „Barcoding Fauna Bavarica“, bei dem die Münchener Wissenschaftler alle bayerischen Tierarten genetisch erfassen und in einer Online-Bibliothek für Fachleute zur Verfügung stellen. Das Projekt ist Teil des internationalen DNA-Barcoding-Projektes iBOl mit Sitz in Kanada, welches das ehrgeizige Ziel verfolgt, alle Tierarten weltweit genetisch zu erfassen

Kleinster Käfer Europas genetisch erfasst

Mit knapp 0.5 mm ist der Käfer Baranowskiella ehnstromi der kleinste Käfer Europas. Neben dem Käfer zum Größenvergleich ein menschliches Haar

Mit knapp 0.5 mm ist der Käfer Baranowskiella ehnstromi der kleinste Käfer Europas. Neben dem Käfer zum Größenvergleich ein menschliches Haar

Die kleinste Käferart Europas ist der weniger als einen halben Millimeter messende Zwergkäfer oder Federflügler mit dem wissenschaftlichen Namen Baranowskiella ehnstromi. Forschern der Zoologischen Staatsammlung München gelang es, in wahrer Detektivarbeit mehrere Exemplare des Käfers zu finden. Im Labor konnten sie erstmals seinen Gen-Code entschlüsseln und im Internet als sogenannten DNA-Barcode für alle Wissenschaftler weltweit kostenlos verfügbar machen.

Der Käferkundler Mikael Sörensson entdeckte die Art erst 1997 in seinem Heimatland Schweden. Inzwischen gibt es auch Funde aus Norwegen, Dänemark, der Schweiz und Österreich sowie auch aus Deutschland. Der Zwergkäfer entzog sich lange dem Zugriff der Wissenschaftler, weil das winzige Tier – es ist nur ein Zehntel Millimeter breit und damit so dünn wie ein menschliches Haar – in den Poren von Baumpilzen lebt, von deren mikroskopisch kleinen Sporen es sich ernährt. Hier bevorzugt es vor allem den muschelförmigen Feuerschwamm, der wiederum parasitisch an Weiden lebt.

Der Käferkundler Franz Wachtel bei der Suche nach dem Käfer.

Der Käferkundler Franz Wachtel bei der Suche nach dem Käfer.

Der Erstnachweis der Art für Bayern gelang dem erfahrenen Käferforscher Franz Wachtel. In einem Weidenurwald in den Isarauen südlich des Georgensteins spürte er den Käfer auf, indem er Baumpilze einsammelte und diese dann im Labor austrocknen ließ. Die Käfer sammelten sich in einer darunter befindlichen Schale. “Mit dieser Methode lässt sich der Zwergkäfer von Experten relativ leicht finden. Weitere Untersuchungen dürften zeigen, dass er in weiten Teilen Mitteleuropas im Verbreitungsgebiet seines Wirtspilzes vorkommt”, fasst Dr. Lars Hendrich, Käferexperte an der Zoologischen Staatsammlung München, den bisherigen Wissenstand zusammen.

Die Gensequenzierung erfolgte im Rahmen der Projekte “Barcoding Fauna Bavarica” und “German Barcode of Life”, bei denen alle deutschen Tierarten genetisch erfasst und in einer globalen Online-Bibliothek für Interessenten zur Verfügung gestellt werden. Das Projekt ist Teil des internationalen Barcoding-Projektes iBOL mit Sitz in Kanada, welches das ehrgeizige Ziel verfolgt, alle Tierarten weltweit genetisch zu erfassen. Oliver Hawlitschek, Projektkoordinator in München, beschreibt den Zweck des Projektes: “Insbesondere  bei kleinen und selten beobachteten Insekten wie dem Zwergkäfer erleichtert die Methode den Wissenschaftlern die Arbeit enorm, da solche Arten ohne genetische Hilfe meist nur von einer Handvoll Experten weltweit identifiziert werden können und so zum Beispiel bei Naturschutzprojekten kaum Beachtung fanden”. DNA-Barcoding soll das in Zukunft ändern.

Wir präsentieren das „Schwabe-Organ“

Neue Arten entdecken wir viele, aber auf vormals unbekannte Organe stößt man heutzutage auch bei Weichtieren selten. Noch dazu auf von außen gut sichtbare!

Aber der Reihe nach: Enrico Schwabe (Sektion Mollusca der ZSM) wunderte sich als Erster über die paarigen dunklen Streifen oder körnigen Flecken neben der Mundpartie von Käferschnecken. Genauer gesagt, der Mitglieder einer der beiden Hauptgruppen der Chitonen, den eher ursprünglich gebauten Lepidopleurida. Konnten das Verschmutzungen sein? Und wenn nicht, was war es dann? Und wieso wurde es Jahrhunderte lang übersehen?

The pallial sensory organs of Lepidopleurida. A., Position of the Schwabe organ in Leptochiton algesirensis, as observed by ES; B., Schematic drawing indicating the sensory organs in the Lepidopleurida (generalised). The lateral organs extend through most of the pallial cavity, as shown, and the branchial organs are at the base of every gill (examples shown in 1B). So, Schwabe organs, indicated with chevrons; lo, lateral organs; bo, branchial organs.  Sigwart et al. Frontiers in Zoology 2014 11:7  doi:10.1186/1742-9994-11-7

The pallial sensory organs of Lepidopleurida. A., Position of the Schwabe organ in Leptochiton algesirensis, as observed by ES; B., Schematic drawing indicating the sensory organs in the Lepidopleurida (generalised). The lateral organs extend through most of the pallial cavity, as shown, and the branchial organs are at the base of every gill (examples shown in 1B). So, Schwabe organs, indicated with chevrons; lo, lateral organs; bo, branchial organs. Sigwart et al. Frontiers in Zoology 2014 11:7 doi:10.1186/1742-9994-11-7

Im irisch-bayerischen Team um Dr. Julia Sigwart (Queens University Belfast) konnten wir kürzlich zeigen, dass es sich bei dem vermeintlichen „Schmutz“ um ein spezielles, pigmentiertes Gewebe handelt, das über zahlreiche Nerven mit einem der Hauptnervenstränge der Chitonen in Verbindung steht (Sigwart et al. 2014). Alles deutet nun auf ein Sinnesorgan hin. Eines, das es so bei Mollusken bisher nicht gab, und dessen Pigmente bei Lagerung in Alkohol ausbleichen. Fest steht, es ist zu etwas Nutze, sonst wäre es nicht bei allen Lepidopleurida ausgeprägt, vom Flachwasser bis in die Tiefsee. Doch welche Funktionen genau dahinter stecken, wissen wir noch nicht.

Bleibt zu erwähnen, dass die klare Mehrheit der Autoren das Schwabe-Organ gegen den Willen des Entdeckers nach ihm benannte.

SIGWART, J.D., SUMNER-ROONEY L.H., SCHWABE, E., HESS, M., BRENNAN, G. & SCHRÖDL, M. 2014. A new sensory organ in “primitive” molluscs (Polyplacophora: Lepidopleurida), and its context in the nervous system of chitons. Frontiers in Zoology 11: 7.

Barcode of Life Data for GBIF

collageThe ZSM has made available nearly 100.000 Barcode of Life Database records for the Global Biodiversity Information Facility (GBIF). The specimen data were generated as part of the Lepidoptera Barcode of Life Project and two large scale DNA barcoding projects at the ZSM, viz. Barcoding Fauna Bavarica and German Barcode of Life. The projects are still ongoing and the German initiatives are supported by the Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst and the Federal Ministry of Education and Research, respectively. The Barcoding Fauna Bavarica project has just been extended for another five years until 2018.

BOLD-GBIF-map

Map showing georeferenced data of 99,749 Barcode of Life project specimen records published through GBIF. Provided by Zoologische Staatssammlung München/Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns – International Barcode of Life (iBOL).

The dataset represents a major contribution of high quality records to the GBIF network. The data have been validated and all records are associated with voucher specimens that were reliably identified by specialists and deposited in the ZSM collections. The specimen data can be accessed through the GBIF portal, associated DNA sequences (DNA barcodes) will be made publicly available through the Barcode of Life Database (BOLD) in conjunction with data release publications, several of which are currently underway.

Stefan Schmidt

Logos

Ichneumonidae collection of Klaus Horstmann transferred to the ZSM

High-res images of the excess collection now available online!

Ichneumonidae ex coll. Horstmann (Photo: Olga Schmidt)

Ichneumonidae ex coll. Horstmann (Photo: Olga Schmidt)

The excellent ichneumonid collection of Klaus Horstmann has recently been transferred to the ZSM. Horstmann was one of the most highly respected specialists of Ichneumonidae in the last and the current century.  He published around 200 publications, about 160 of them dealing with Ichneumonidae. Many of these are comprehensive revisions, often in some of the taxonomically most difficult groups that ichneumonids have to offer. The collection is internationally one of the most valuable and important collections of ichneumonid wasps. It contains many primary type specimens and and virtually all identifications are based on comparison with types and therefore highly reliable.

The collection consists of two parts, viz. 1) the main collection that is set up as a reference collection, and 2) an excess collection with duplicates, represenatatives of undescribed species, series of specimens of the same species, and material that Horstmann had on loan. High-resolution images of the excess collection will allow owners of borrowed material to locate their specimens in the excess collection and assist the curators in returning the loans. The images are publicly available as Picasa web album and on Google+

Stefan Schmidt

Höchster Barcode Deutschlands von der Zugspitze gewonnen

R. Melzer (ZSM)

Foto: R. Melzer

Jörg Spelda, Stefan Friedrich und Roland Melzer, Forscher der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) unternahmen im vergangenen Sommer eine Exkursion auf Deutschlands höchsten Berg, die Zugspitze, mit dem Ziel die dortige Gipfelfauna umfassend zu beproben. Dort fingen sie im Gipfelbereich auf fast 3000 Meter Höhe ein Exemplar des Felsenblümchen-Schleierfalters Plutella geniatella. Dieser seltene Kleinschmetterling ist nur von den höheren Berggipfeln der Alpen und Karpaten bekannt und in Bayern zuletzt im Jahr 1989 beobachtet worden. Das Falter-Exemplar steuert seinen Gencode zum Forschungsprojekt „Barcoding Fauna Bavarica“ bei, mit dem die Münchener Forscher derzeit den Genbestand aller 34.000 Tierarten in Bayern erfassen. “Durch moderne genetische Methoden kann man heute die kompletten Artenbestände ganzer Bundesländer sehr effektiv erfassen. So konnten allein durch das Barcoding in den letzten fünf Jahren mehrere Dutzend Arten als neu für Bayern und Deutschland nachgewiesen werden” sagt Axel Hausmann, Schmetterlingsforscher an der Staatssammlung.

In diesem innovativen Projekt untersuchen Wissenschaftler einen bestimmten Genabschnitt des Cytochrom Oxidase-I Gens und speichern diesen in einer Online-Datenbank ab. Dieser Genabschnitt besitzt für die Art eine ähnliche Bedeutung wie ein Barcode auf einem Produkt im Supermarkt. Mit diesem genetischen Barcode lassen sich später andere Individuen der gleichen Art zweifelsfrei bestimmen. Die bayerischen Forscher konnten bisher 15.000 einheimische Tierarten in die DNA-Bibliothek einstellen.

Das vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst finanzierte Projekt „Barcoding Fauna Bavarica“ wurde jetzt um weitere fünf Jahre verlängert, so dass die Wissenschaftler zuversichtlich sind, einen großen Anteil der bayerischen Fauna genetisch erfassen zu können. Die so gewonnenen Daten dienen der Grundlagenforschung oder werden in der Land- oder Forstwirtschaft, in der Naturschutzplanung sowie in der medizinischen Insektenkunde benötigt.

Das bayerische Barcoding-Projekt ist seit 2009 Teil des Verbundprojektes „International Barcode of Life (iBOL)“ mit Sitz in Guelph/Kanada, welches genetische Barcodes aller Tierarten weltweit erfasst, sowie der deutschlandweiten Initiative GBOL (www.bolgermany.de) . Mit der Gendatenbank können Wissenschaftler künftig unbekannte Arten kostengünstig, schnell und zuverlässig identifizieren.

Barcoding Fauna Bavarica Projekt verlängert

Eristalomyia pertinax

Die Schwebfliege Eristalis pertinax – per Gensequenz zweifelsfrei bestimmbar

Das überaus erfolgreiche Projekt “Barcoding Fauna Bavarica” wurde um weitere fünf Jahre bis 2018 verlängert. In der ersten Phase des Projekts konnten bereits über 11.000 Tierarten Bayerns genetisch charakterisiert, d.h. “gebarcoded” werden (siehe faunabavarica.de). Die meisten dieser Arten lassen sich nun schnell und zuverlässig bestimmen. Insgesamt wurden in den ersten fünf Jahren nahezu 50.000 Individuen, zumeist Insekten,  genetisch untersucht.

In der zweiten Projektphase stehen vor allem angewandte Fragestellungen im Vordergrund, insbesondere die Schnittstellen zwischen Biologie, Medizin, und Lebensmittelproduktion. Des weiteren sollen im Rahmen anwendungsbezogener Teilprojekte weitere Organismengruppen einbezogen wie z.B. Pilze, Algen und Flechten. Ein weiterer Aspekt ist die Schaffung eines Internetportals mit Informationen zu bayerischen Tierarten und mit besonderem Bezug auf die Sammlungsbestände der Zoologischen Staatssammlung und die Belegexemplare des DNA-Barcoding. Damit soll der Öffentlichkeit der Zugang zu den Beständen der Staatssammlung erleichtert werden, die mit rund 25 Millionen zoologischen Objekten die mit Abstand größte naturkundliche Sammlung Deutschlands darstellt.

Das Barcoding Fauna Bavarica Projekt wird durch finanzielle Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst ermöglicht.

Stefan Schmidt