Monthly Archives: May 2012

9 Wochen durch die „furious fifties“ – im Dienste der Tiefsee-Mollusken

Der Südliche (Antarktische) Ozean spielt eine entscheidende Rolle im globalen Kreislauf der Elemente, insbesondere von Kohlendioxid – und damit für das Weltklima. Im Frühjahr 2012 schaukelten wir 9 Wochen lang an Bord der FS Polarstern (Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven) im wilden Südatlantik und beprobten die dort unerforschte Tiefsee.

Als Teil des „Systco II“-Teams (geleitet von Prof. Dr. Angelika Brandt, Universität Hamburg) sammelte die Münchener Abordnung mithilfe von Netzen, Dredgen und so genannten Epibenthosschlitten allerlei seltsames Meeresgetier, meist aus etwa 4000m Tiefe. Unsere Spezialität sind die Mollusken. An Bord dokumentierten und fixierten wir bereits über 1000 solcher Weichtiere, weitere Funde erwarten wir in den noch unsortierten Proben. Momentan schätzen wir auf etwa 100 Arten aus den verschiedenen Klassen, unter ihnen sicherlich etliche bis dato unbeschriebene Arten.

Soeben ist auch die Polarstern wieder nach Bremerhaven zurückgekehrt, und mit ihr die wertvolle Ausbeute unserer Expedition. Die Mollusken werden nun an der ZSM nachsortiert. Anhand ihrer Morphologie, (Mikro-)Anatomie und molekularer Marker werden die Arten bestimmt – solch integrative taxonomische Arbeiten sind zeitintensiv.

Von einzelnen Proben versprechen wir uns wichtige Erkenntnisse zur Stammesgeschichte und Evolution der Mollusken (von der DFG gefördert). Zudem erhoffen wir uns Einblicke in ihre Anpassungen an den eiskalten Abyss. Als Gesamtheit verbessern diese Mollusken- Funde unser Verständnis der Diversität und Zusammensetzung der Faunen in der abyssalen Tiefsee (s. Schwabe et al. 2007, Schrödl et al. 2011), dem größten und am wenigsten bekannten Lebensraum des Planeten.

Wenig erfreulich, doch dringend nötig: dies sind allererste Vergleichsdaten für ein Monitoring, was der zu erwartende massive „Global Change“ im Laufe der Jahrzehnte sogar in der ansonsten noch weitgehend unberührten südlichen Tiefsee anrichten wird. Das Problem der Tiere dort: Kälter geht es nicht – wird es aber wärmer oder ändern sich die Lebensbedingungen, gibt es womöglich kein Entkommen und keine Zuflucht.

Literatur:
Schwabe, E., Bohn, J.M, Engl, W., Linse, K. & M. Schrödl. 2007. Rich and rare – first insights into species diversity and abundance of Antarctic abyssal Gastropoda (Mollusca). Deep Sea Research II 54: 1831-1847.

Schrödl, M., Bohn, J.M., Rolán, E., Brenke, N. & E. Schwabe (2011) Abundance, diversity and latitudinal gradients of southeastern Atlantic and Antarctic abyssal gastropods. Deep Sea Research II 58: 49-57.