Monthly Archives: July 2010

Entomologie erhält neue Systemschachteln

Die Entomologie hat soeben 30 000 neue Schachteln in bester Qualität erhalten. Damit kann der kuratorische Standard in den weltbedeutenden Insektensammlungen der ZSM weiter anghoben werden.

Systemschachteln? Das sind Kartonschachteln verschiedener Größe mit Schaumstoff-Steckgrund. Die Schachteln kommen in Insektenkästen, sie beinhalten die Exemplare jeweils einer Art. So kann bei Neuzugängen leicht rangiert werden, indem man die Systemschachteln verschiebt, und nicht alle Präparate umstecken muss, um an einer bestimmten Stelle Platz zu schaffen. Newunittrays

Tiefseehaie in Bayern – Molekulare Untersuchungen von Laternenhaien an der ZSM

Von 2007 bis 2010 wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) das Projekt „Evolution und adaptive Radiation von Dornhaien“ an der Zoologischen Staatssammlung gefördert. Nun liegen erste Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift Molecular Phylogenetics & Evolution veröffentlicht sind, vor. Die Gruppe der Dornhaie umfasst hauptsächlich Tiefseehaie, hier bilden die Laternenhaie die größte Familie. Genetische Daten (Gensequenzen) wurden herangezogen um diese sehr diverse Gruppe auf ihren Ursprung und ihre phylogenetischen Beziehungen untereinander zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich vier Großgruppen identifizieren lassen, die sich auch morphologisch eindeutig bestimmen lassen. Das von Gensequenzen abgeschätzte Alter zeigt weiter, dass die Laternenhaie wahrscheinlich am Ende der Kreidezeit entstanden sind, die Aufspaltung in die Großgruppen jedoch erst sehr viel später, vor ca. 25 millionen Jahren stattfand, was die Laternenhaie zu einer sehr jungen Gruppe von Haien macht.

Südlicher Laternenhai (Etmopterus granulosus), Chile, ca. 70 cm, © N. Straube
Etmopterus granulosus

Neue Fischart aus dem Ammersee beschrieben

Den Berufsfischern war schon immer bekannt, dass es im Ammersee als einzigem See im Voralpengebiet so genannte Kaulbarsche gibt. Wissenschaftler der Zoologischen Staatssammlung haben diese Fische nun genauer untersucht. Sie kommen in einer Arbeit der wissenschaftlichen Zeitschrift „Spixiana“ zu dem Schluss, dass es sich bei dem Ammersee-Kaulbarsch um eine eigene Art handelt. Sowohl körperbauliche als auch genetische Analysen bestätigen diese Eigenständigkeit. Sie zeigen zudem, dass die neue Art keineswegs näher mit der „normalen“ Kaulbarsch-Art (Gymnocephalus cernua) verwandt ist, für die man sie bisher gehalten hatte. Der Ammersee-Kaulbarsch ist vielmehr näher mit einer eher raren Art aus dem Donauraum verwandt, dem Donau-Kaulbarsch (Gymnocephalus baloni). Von dieser Art unterscheidet der Ammersee-Kaulbarsch sich unter anderem durch die größeren Augen und einen dünneren Schwanzstil. Wissenschaftlich ist die neue Art lateinisch nach ihrer einzigen Heimat, dem Ammersee, benannt: Gymnocephalus ambriaelacus.
Über seine Lebensgewohnheiten ist noch wenig bekannt. Das recht unscheinbare Fischchen aus der Familie der Barsche wird kaum über 13 cm lang, wächst langsam und überschreitet erst im zweiten Lebensjahr die 8 cm Marke. Laichreife Weibchen gehen den Fischern im Mai ins Netz. Obwohl die Art ausschließlich im Ammersee vorkommt, ist sie durch die Fischerei in diesem See aber nicht bedroht, weil sie zu klein für die wirtschaftliche Nutzung ist. Problematisch ist vielmehr, dass der „normale“ Kaulbarsch (G. cernua) spätestens seit Oktober 2005 im Ammersee ungewollt heimisch geworden ist, obwohl er ursprünglich dort nicht vorkam. Wie in anderen Seen, z.B. dem Bodensee, wurde die Art wahrscheinlich zusammen mit Besatzfischen anderer Arten eingebracht. Es besteht die Gefahr, dass sich der Neuankömmling nun auch hier stark vermehren und so dem Ammersee-Kaulbarsch stark Konkurrenz machen und ihn sogar verdrängen kann. Eine genauere Untersuchung der Biologie dieser Art ist dringend geboten, um Risiken und Chancen für diese nur in Bayern heimische Fischart abschätzen zu können

Foto: Gymnocephalus ambriaelacus, eine neue Fischart aus dem Ammersee.

 

25 Jahre Zoologische Staatssammlung in der Münchhausenstrasse!

Der Neubau der ZSM steht jetzt 25 Jahre. Grund genug, um einen Blick zurück zu werfen und den Sammlungszuwachs während dieser Zeit zu sichten.

Hier ein Blick in die Sektion Hemiptera (weitere Sektionen werden folgen):

In der Sektion Hemiptera werden folgende Insektenordnungen betreut:
Heteroptera (Wanzen), Auchenorrhyncha (Zikaden), Sternorrhyncha (Pflanzenläuse), Caelifera (Feldheuschrecken), Ensifera (Laubheuschrecken), Mantodea (Fangschrecken) und Phasmatodea (Gespensterschrecken, Stabschrecken).

Wir haben hier eine Auswahl der in den letzten Jahren in die ZSM gekommenen Phasmatodea zusammengestellt. Die ZSM hat in den letzten Jahren viele neue Phasmatodea bekommen, zum Teil durch Aufsammlungen von Mitarbeitern, zum Teil durch die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit den Spezialisten O. Conle und F. Hennemann. Alleine von diesen haben wir in den letzten Jahren 29 Holotypen und 135 Paratypen bekommen. Sie wurden 2009 von der Münchner Entomologischen Gesellschaft (MEG) mit einem Förderpreis geehrt.